Steven King – Amok

„Und dann geschah etwas Lustiges mit mir… abgesehen davon, dass es überhaupt nicht lustig war, wenn ich darüber nachdenke. Da muss eine Linie in uns allen sein, eine sehr deutliche, wie die Trennungslinie zwischen der erhellten Seite eines Planeten und der dunklen. Ich glaube, man nennt diese Linie Grenzlinie. Das ist ein sehr gutes Wort dafür. Denn gerade war ich  noch im Begriff auszuflippen , und im nächsten Moment war ich kalt wie eine Gurke.“

Steven King fasst auf 219 Seiten einige Stunden einer scheinbar ganz normalen, durchschnittlichen Kleinstadtschulklasse zusammen. Normal, wenn nicht der Hauptakteur Charlie Decker 2 Lehrer umgebracht hätte und die Klasse als seine Geiseln halten würde. Im Laufe der berichteten Stunden erfährt der Leser durch Rückblenden mehr über den Amokläufer, aber auch etwas über einige seiner Mitschüler. Das Ganze nimmt eine überraschende Wendung. Die Integrität wechselt zu Gunsten des geisteskranken Mörders, der sich selbst diese Ereignisse nicht erklären kann.
Fazit: Ich werde nie ein Steven King-Fan sein. Seine Art zu schreiben reizt mich einfach nicht. Seine Werke sind zwar spannend, aber geraten mir auf eine Weise viel zu sehr ins filmische hinein. Die philosophischen Schätze die er teilweise einbaut, welche seine wahre Intelligenz andeuten, gehen in den amerikanischen Stilmitteln eines spiralförmigen Höhepunktaufbaus einfach unter. Er könnte wesentlich mehr daraus machen, scheint aber in Zeitdruck zu stehen und sein Buch viel zu rapide fertig gebracht zu haben.
Nichtsdestotrotz fasziniert mich persönlich das Thema, wie ein Mensch zu so inhumanen Taten fähig ist. „Amok“ ist bei weitem keine Anklage, sondern mehr ein Einblick in die Seele eines psychisch sehr kranken Jugendlichen und mehr als nur eine wage Andeutung, dass jeder früher oder später unter äußeren Einflüssen und inneren Drängen geisteskrank und zu allem fähig kann.

Keine Weltliteratur, aber durchaus empfehlenswert und nicht schlecht. Interessant ist vielleicht zu erwähnen, dass King das Buch aufgrund der Aktualität vom Markt nahm.

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